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8.1  Erläuterungen zum Reglement

Der Bedarf an Warmwasser kann bei gut gedämmten Gebäuden bis zu viermal mehr betragen, als der Heizwärmebedarf. Deshalb wird die Planung einer effizienten Warmwasserbereitstellung durch anrechenbare Optimierungsmöglichkeiten gefördert. Entweder kommen pauschale Abzüge zum Tragen oder die Warmwasserversorgung wird nach SIA 385/2 geplant.

EFH, MFH und Spitäler sind immer mit Warmwasser zu berechnen. Verwaltung, Schulen ohne Duschanlagen, Verkauf, Versammlungslokale, Industrie und Lager können ohne Warmwasser berechnet werden unter der Bedingung, dass kein WW-Verteilsystem vorhanden ist. Es wird davon ausgegangen, dass bei Einzel-Entnahmestellen (z.B. Entnahmestellen mit KW und WW in Nasszellen oder in Putzräumen) die Wassererwärmung mit einer Warmwasser-Einzelversorgung (früher: Einzelboiler) bereitgestellt werden. Der Minergie-Nachweis für Restaurants, Sportbauten und Hallenbäder ist immer ohne Warmwasser zu berechnen. Eine Ausnahme dieser Regel ist der Nachweis der Plusenergiebilanz für Minergie-A, dieser Wert wird immer mit Warmwasser gerechnet. Auch wenn das Feld «Mit Warmwasser» auf Nein steht.

 

8.1.1  Standard-Nutzwärmebedarfswerte der Norm SIA 380/1

Der Reglementstext bezieht sich auf die SIA 380/1:2009 und heisst: «Die Berechnung der Minergie-Teilkennzahl für die Warmwasserversorgung beruht auf den Standard-Nutzwärmebedarfswerten der Norm SIA 380/1:2009».

Diese Werte der SIA 380/1:2009 sind in der neuesten Version SIA 380/1:2016 nur noch für behördliche Nachweise enthalten, da sie mit dem Heizwärmebedarf nichts zu tun haben.

 

8.1.2  Abminderungsfaktor fA = 0.9 für Armaturen

Wenn mindestens zwei Drittel der Entnahmearmaturen mit Warmwasser der Effizienzklasse A entsprechen, kann der Abminderungsfaktor geltend gemacht werden. Dies nimmt Bezug auf die (freiwillige) Energie-Etikette für Sanitärprodukte von EnergieSchweiz. 

Gelabelte Produkte sind beispielsweise zu finden auf:


Als Entnahmearmaturen gelten nur die Armaturen mit z.B. integriertem Regler, Kaltstellung mittig, Strahlregler. Der Einsatz von Duschbrausen mit integriertem Sparregler wird wegen Komforteinbussen (z.B. hohe Temperaturschwankungen) nicht empfohlen.

Es wird nur eine Ausstattung von 2/3 verlangt, weil gewisse Armaturen (z.B. Gartenhahn, 2-Griff-Armaturen für Waschtröge) nicht mit Energie-Etikette erhältlich sind.

 

8.1.3  Berechnung nach SIA 385/2

Die Methode nach SIA 385/2:2021 orientiert sich an für Warmwasser spezifischen Bezugseinheiten (z.B. bei Wohnbauten: Nutzfläche). Bei Wohnbauten wird die Datenbasis aus Erhebungen aus dem Jahr 2013 des Bundesamtes für Statistik BFS benutzt. Sie liefert bei sehr grossen Wohnungen nicht einfach linear flächenbezogene Verbrauchswerte, sondern führt eine Korrektur für die Personenfläche ein. 

Für Nichtwohnbauten liefert SIA 385/2:2021 allerdings keine flächenbezogenen Werte, weshalb eine entsprechende Berechnung mit dem Minergie-Antrag zu liefern ist. Dafür können auch Richtwerte des Merkblatts SIA 385/2:2021 berücksichtigt werden, welche sich teilweise an SIA 385/2:2021 orientieren. Achtung, SIA 2024 verwendet als Bezugsgrösse Hauptnutzflächen (HNF) gemäss SIA 380:2021, bezeichnet die Flächen aber im Merkblatt als NGF (Nettogeschossfläche).

 

8.1.4  Merkblatt SIA 2024:2021 Raumnutzungsdaten für die Energie- und Gebäudetechnik

Zweck dieses Merkblatts ist die Vereinheitlichung von Annahmen über die Raumnutzungen, insbesondere die Personenbelegung und Gerätebenutzung. Diese Daten sollen verwendet werden, wenn keine genaueren Angaben vorliegen. Dies dürfte insbesondere bei Nicht-Wohnbauten zutreffen.

 

8.1.5  Einbezug Warmwasserverbrauch bei der Plusenergiebilanz von Minergie-A

Bei einem Nachweis nach Minergie-A muss in allen Gebäudekategorien für die Erreichung der Plusenergiebilanz der Warmwasserverbrauch eingerechnet werden. 

Bei den Nutzungen Restaurant und Sportbauten ist «Warmwasser, Rechenwert» ein Nutzungsgrad/JAZ und unter «Warmwasser, SIA 385» eine Gewichtung einzugeben. Der Standardwert («Warmwasser, Rechenwert») kann unter «Warmwasser, SIA 385» durch einen spezifisch berechneten Warmwasserbedarf nach SIA 385:2 ersetzt werden.