2 Anleitung
Das Formular für das Minergie-Hilfstool SoWS (folgend Hilfstool) basiert auf Microsoft Excel. Das Hilfstool kann auf der Webseite von Minergie auf der Seite Zertifizierung gratis heruntergeladen werden.
Dunkelgelb hinterlegte Zellen müssen vom Benutzer ausgefüllt werden. Hellgelb gefärbte Zellen können fakultativ ausgefüllt werden, hellgrün hinterlegt sind Auswahlfelder. Weiss hinterlegte Zellen können nicht manuell ausgefüllt werden. Zellen mit einem roten Dreieck in der rechten oberen Ecke weisen auf einen Kommentar hin, der erscheint, sobald sich die Maus auf der Zelle befindet.
Bei den Pulldown-Feldern (hellgrün) muss aus den jeweiligen Optionen eine ausgewählt werden. Dezimalzahlen müssen mit Punkt und nicht mit Komma eingegeben werden. Die Zeilennummerierung am linken Bildrand bildet die Grundlage für die vorliegende Anleitung: Die in diesem Dokument aufgeführten Beschreibungen nehmen Bezug zu den Zeilennummern im Hilfstool.
Orange hinterlegte Felder sind als Hinweis – sowohl für den Nutzer als auch für die Prüfstelle – zu verstehen. Rot hinterlegte Felder weisen auf einen Eingabefehler hin und müssen korrigiert werden. Dunkelgrün hinterlegte Felder signalisieren die Erfüllung der Anforderungen.
Das Formular kann für den Nachweis von bis zu 3 Räumen genutzt werden. Sobald mehr Räume nachgewiesen werden müssen, kann das Formular auch mehrfach eingereicht werden.
Das Resultat ist in das Minergie-Nachweisformular (S21) zu übertragen.
2.1 Allgemeine Projektangaben (P7 - P8)
Die allgemeinen Projektangaben entsprechen denen im Minergie-Hauptformular.
2.2 Klimastation und Lage (P11 - P13)
Die Wahl der Klimastation ist relevant für den Nachweis der baulichen Grundanforderungen und die Komfortbewertung. Es muss eine repräsentative Klimastation aus der SIA 2024 gewählt werden, welche der Situation im Sommer am Standort entspricht. Die Auswahl der Geländekategorie und die Abfrage der Lage in Föhntälern bestimmt die empfohlene Windwiderstandsklasse des Sonnenschutzes. Wenn die Lage in Föhntälern angewählt ist, wird die empfohlene Windwiderstandsklasse um eine Klasse erhöht (analog Empfehlungen der SIA 342, Ziff. B2). Eine Karte der Föhntäler ist auf der Seite von MeteoSchweiz (Klima der Schweiz) zu finden.
| Geländekategorie I Seeufer | Geländekategorie II grosse Ebene | Geländekategorie III Ortschaften, freies Feld, Gewerbegebiete | Geländekategorie IV grossflächige Stadtgebiete |
|---|---|---|---|
| Offene See; See mit mindestens 5 km freier Flächen in Windrichtung; glattes flaches Land ohne Hindernisse | Gelände mit Hecken, landwirtschaftliches Gebiet | Vorstädte, Industrie- und Gewerbegebiete, Wälder | Stadtgebiete, bei denen mindestens 15% der Fläche mit Gebäuden bebaut sind, deren mittlere Höhe 15 m überschreitet |
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Betreffend der notwendigen Windwiderstandsklasse wird vom Antragstellenden erwartet, dass lokale Gegebenheiten oder Anforderungen, z.B. aufgrund besonderer Umwelteinflüsse oder besonderer städtebaulicher Situationen berücksichtigt werden.
2.3 Auswahl Klimadaten (P11, Spalte J)
Die Auswahl des Klimaszenarios (8.1.2) wirkt sich auf die Ergebnisse der Baulichen Grundanforderung und die Anforderungen an den sommerlichen Komfort aus. Für die Beurteilung können, je nach Anforderung, die Wetterdaten für die Periode 2010 oder 2035 ausgewählt werden.
2.4 Auswahl Wärmeinseleffekt (P13, Spalte J)
Die Auswahl des Wärmeinseleffektes für Städte (8.1.2) wirkt sich auf die Ergebnisse der Baulichen Grundanforderung und die Anforderungen an den sommerlichen Komfort aus. Für die Beurteilung können, je nach Anforderung, die Wetterdaten für die Periode 2010 oder 2035 ausgewählt werden.
2.5 Eingabe Raum und Raumbezeichnung (X11)
Die Raumbezeichnung ist frei wählbar. Auf den notwendigen Planbeilagen sollten die Räume zur besseren Nachvollziehbarkeit aber identisch markiert werden. Die Eingabe der Nettogeschossfläche (Lichtmass) des nachzuweisenden Raumes erfolgt nach SIA 416.
2.6 Eingabe Wärmespeicherfähigkeit (X16 - X21)
Für die Eingabe der Wärmespeicherfähigkeit bestehen zwei Möglichkeiten:
Option 1) die direkte Eingabe der auf die Nettogeschossfläche des Raumes bezogene Wärmespeicherfähigkeit inkl. Wärmeübergangswiderständen in Wh/m2K, wenn diese nach EN ISO 13786 in einem externen Programm (z.B. Tool Wärmespeicherfähigkeit auf www.energytools.ch) berechnet wurde.
Option 2) die Auswahl vordefinierter Bauteile und Eingabe der raumseitigen Ansichtsfläche dieser Bauteile. Je Bauteil sind 2 unterschiedliche Konstruktionen wählbar. Für die interne Berechnung muss die Eingabe in X16 gelöscht werden.
Generell müssen absehbare Reduktionen der speicherwirksamen Massen, z.B. durch Schränke, Tafeln, Akustikmassnahmen, o.ä. berücksichtigt werden.
Es ist eine maximale Masse von 75 Wh/m2K für die Berechnung zulässig. Bei einer höheren Masse muss der Raum simuliert werden.

2.7 Eingabe Fenster und bauliche Verschattung (X29 - X47)
Es wird die Eingabe von 3 unterschiedlichen Fenstertypen angeboten. Die Eingaben werden in der Berechnung berücksichtigt, wenn für die Fensteranzahl (X31) ein Ganzzahlwert > 0 eingegeben wird.
Analog SIA 380/1:2016 sind 16 Ausrichtungen wählbar. Für Fenstertyp 2 & 3 kann alternativ über die Auswahl in X30 ein geneigtes Fenster definiert werden. Ein Winkel von 0° entspricht einem horizontalen Einbau. Die Eingabe einer baulichen Verschattung ist in diesem Fall nicht möglich.

Für die bessere Identifizierung der verwendeten Fenster wurde ein Feld für die Bezeichnung pro Fenstertyp eingefügt.
Die korrekte Eingabe von Breite und Höhe des Fensters (Mauerlichtmass) ist für die Berechnung der baulichen Verschattung (X38-X43) notwendig. Wenn keine bauliche Verschattung berücksichtigt wird, kann die Eingabe vereinfacht werden. In diesem Fall sind nur die Fensterfläche und die Ausrichtung relevant. Die Eingabe der Festverschattungen sind mit Blickwinkel von Innen und analog SIA 380/1:2016 sowie dem Fenstertool der EnDK zu erfassen. Der Horizontwinkel (X44) muss im Gegensatz zum SIA 380/1 mit den realen Horizontalverschattungen gerechnet werden.
Die Abminderung der Solarstrahlung wird in Anlehnung an EN 13790 berechnet. Hierbei muss beachtet werden, dass in diesem Verfahren Seitenblenden und Überhänge unendlich hoch bzw. unendlich breit berücksichtigt werden. Wenn davon ausgegangen werden muss, dass real 'gebaute' Verschattungen dieser Annahme nicht oder weitestgehend nicht entspricht, darf diese rechnerisch nicht berücksichtigt werden. Dies ist je nach Himmelsrichtung beispielsweise bei Nachbargebäuden oder in Innenhofsituationen für einen zuoberst gelegenen Referenzraum der Fall.
Hinweis: Analog zu den Randbedingungen des Verfahren 3, SIA 180:2014 wird berücksichtigt, dass der Sonnenschutz bei 200 W/m2 aktiviert wird. Eine bauliche Verschattung kann dazu führen, dass die Aktivierung des Sonnenschutzes verzögert und der Einfluss der Verglasung auf den Wärmeeintrag erhöht wird.
Je nach Ausrichtung des nachzuweisenden Raumes können Reflexionen von gegenüberliegenden Gebäuden die externen Wärmelasten erhöhen. Die Eingabe relevanter Reflexionen erfolgt in X45. Die Notwendigkeit muss vorgängig geprüft werden. Entscheidend für die Beurteilung ist der Reflexionsgrad von gegenüber liegenden Fassaden (Bedingung 1) und der Sonnenstand (Bedingung 2). Vereinfachend darf angenommen werden, dass nur zu mind. 80% verglaste, gegenüber liegenden Fassaden ohne aussen liegenden Sonnenschutz relevante Reflexionen hervorrufen. Für die Beurteilung der Reflexionen in Abhängigkeit der baulichen Verschattung und des Sonnenstandes können die im Folgenden dargestellten Winkelbeziehungen geprüft werden. Wenn in Abhängigkeit der Ausrichtung des nachzuweisenden Raumes mit keinem der beiden Winkel eine direkte Blickbeziehung zur Sonne ermittelt werden kann, darf eine relevante Reflexion vernachlässigt werden.

| Ausrichtung der Fassade des nachzuweisenden Raumes | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| WSW / ESE | W / E | WNW / ENE | NW / NE | NNW / NNE | N | |
| (1) | 7° | 16° | 35° | 47° | 53° | 55° |
| (2) | 19° | 33° | 50° | 60° | 65° | 66° |
Wenn davon ausgegangen werden muss, dass beispielsweise PV Anlagen auf Dächern unterhalb des Betrachtungshorizontes liegen und diese zu relevanten Reflexionen führen, müssen detaillierte Untersuchungen angestellt werden.
Die Eingabe des g-Wertes der Verglasung (X47) beeinflusst den solaren Wärmeeintrag, wenn der Sonnenschutz nicht aktiv ist (Solarstrahlung < 200 W/m2). Typische g-Werte von Standard-Wärmeschutzverglasungen liegen im Bereich von 0.5. Der g-Wert der Verglasung hat Einfluss auf den Heizwärmebedarf. Eine Reduktion des g-Wertes der Verglasung muss auch in der Wärmebedarfsrechnung berücksichtig werden.
2.8 Berechnung des maximal erlaubten mittleren Gesamtenergiedurchlassgrad (X51)
Berechnet wird der notwendige Gesamtenergiedurchlassgrad g-total (Verglasung + Sonnenschutz) gemittelt über alle eingegebenen Fensterflächen. Wird zur Einhaltung der baulichen Grundanforderungen kein Sonnenschutz benötigt, wird der g-Wert der Verglasung ausgegeben.
2.9 Eingabe g-total effektiv (Verglasung + Sonnenschutz) (X56)
Mit der Eingabe des effektiv geplanten g-total (Verglasung + Sonnenschutz) wird entweder die Anforderung bestätigt oder unterschritten. Die Eingabe des effektiv geplanten g-total erfolgt separat für jeden Fenstertyp.
Es ist möglich, jeweils unterschiedliche g-total-Werte einzugeben. Sofern der flächengemittelte g-Wert dem berechneten entspricht, ist dies erlaubt. Übersteigt der flächengemittelte g-total-Wert den maximal erlaubten, wird eine entsprechende Warnung angezeigt. Wenn kein Sonnenschutz geplant wird, ist für den g-total der g-Wert des Glases einzugeben.
2.10 Eingaben Windfestigkeit der Sonnenschutzeinrichtung
Über die Eingabe der Einbauhöhe (Mitte des Sonnenschutzes bis Gebäudesockel) und die Auswahl der Geländekategorie wird die Windwiderstandsklasse in Anlehnung an das SIA-Merkblatt 2028, Ziff. 3.4 ermittelt.
Eine der beiden Deklaration in X66 oder X67 muss mit JA beantwortet werden.
Es ist zudem eine Benennung des Sonnenschutztypus (in X69) erwünscht.
Wird ein Minergie-Modul Sonnenschutz eingesetzt, besteht die Möglichkeit die Auswahl im Feld X60 mit JA beantwortet werden. Damit muss bis zu einer Anforderung von WK 5 kein weiterer Nachweis erbracht werden. Der Einsatz des Moduls ist nachzuweisen.
Es kann alternativ ein externer Nachweis geführt werden, in welchem aufgezeigt werden muss, dass eine niedrigere Windwiderstandsklasse der Sonnenschutzeinrichtung keine relevante Auswirkung auf den externen Wärmeeintrag und den Komfort hat.
2.11 Bauliche Grundanforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz
Die baulichen Grundanforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz sind erfüllt, wenn der maximal zulässige Wärmeeintrag in den Raum, entspricht 100%, nicht überschritten wird. Die Berechnung berücksichtigt die speicherwirksame Masse, normierte interne Lasten, sowie Wärmeverluste (in Abhängigkeit der Klimastation) und den vorhandenen Wärmeeintrag über die Verglasung bei nicht aktiviertem Sonnenschutz bzw. den Wärmeeintrag über Verglasung und Sonnenschutz. Das Berechnungstool ermittelt primär den mittleren Gesamtenergiedurchlassgrad über die transparenten Glasflächen (X51).
Hilfestellung gibt die Grafik mit Aufteilung der jeweiligen Anteile am erlaubten Wärmeeintrag. Bezogen auf 100% werden die Wärmeeinträge von Glas (Sonnenschutz nicht aktiv) bzw. Glas + Sonnenschutz (Sonnenschutz aktiv) sowie die Pufferwirkung der Speichermasse dargestellt. Bezogen auf den maximal erlaubten Wärmeeintrag ist blau dargestellt der Anteil über die Verglasung und rot der Anteil von Verglasung und Sonnenschutz. Der schwarze Balken stellt den Einfluss der speicherwirksamen Masse des Raumes dar. Wenn dieser über dem maximal erlaubten 100% liegt, ist eine Reserve vorhanden.

2.12 Anforderungen an den Komfort nach Minergie
Je nach Möglichkeit, z.B. einer Fensterlüftung, der Höhe der internen Lasten sowie den baulichen Gegebenheiten (Sonnenschutz und Speichermasse) und dem Klima ist ein, nach den Kriterien von Minergie ausreichender sommerlicher Komfort gegeben. Die Beurteilung erfolgt mit den Wetterdaten für die Periode 2010. Es besteht die Möglichkeit die Wetterdaten von 2035 für eine Beurteilung auszuwählen (freiwillig). Bei Auswahl der Wetterdaten 2060 wird keine Beurteilung des Sommerkomfort ausgegeben, da dies unter anderem ausserhalb der Lebensdauer der Haustechnikanlagen ist, welche für den Sommerkomfort massgeblich verantwortlich sind.
Im Nachweistool werden gängige Nutzungen nach SIA-Merkblatt 2024:2015 und verschiedene, sogenannte Sommerstrategien zu Wahl angeboten.
Mit der Auswahl der Nutzungskategorie wird die Höhe der internen Wärmelasten bestimmt. Es sind Standardwerte nach SIA-Merkblatt hinterlegt. Es besteht die Möglichkeit, diese Werte in begründeten Fällen zu überschreiben. Hierfür wird eine Aufstellung der internen Wärmelasten von Antragstellenden verlangt.
Als Sommerstrategie sind hinterlegt:
- Eine Fensterlüftung am Tag
- Fensterlüftung Tag und Nacht
- Fensterquerlüftung Tag und Nacht
- Mechanische Lüftung mit Sommerbypass
- Fussboden-Freecooling mit mechanischer Lüftung und Sommerbypass
- Fussboden-Freecooling mit Fensterlüftung Tag und Nacht
Bei Fensterlüftung wird davon ausgegangen, dass Fenster mehrheitlich auch in der Nacht, nur gekippt werden. Für Nachtauskühlung mit Fensterlüftung ist in Wohnungen gemäss Norm SIA 382/1 (Ziffer 5.2) ein wirksamer Mindestquerschnitt von 3 % der Bodenfläche notwendig.
Für die mechanische Lüftung sind Standardwerte der SIA 2024 hinterlegt, es besteht die Möglichkeit den Volumenstrom zu überschreiben.
Für die Fussbodenkühlung wird angenommen, dass eine maximale Leistung von 14 W/m2 bei dT (Oberfläche zu Raum) von 2 Kelvin vorliegt. Eine Fussbodenkühlung im Freecooling in Verbindung mit einer Fensterlüftung muss vorgängig mit dem kantonalen Vollzug abgestimmt sein.
2.13 Freecooling
Als Freecooling werden Systeme akzeptiert, die zur Produktion der Kälte keine zusätzliche elektrische Energie verwenden.
Der Energieaufwand für die Umwälzpumpen, welche für eine Kühlung rein über Erdsonden, ohne den Einsatz der Wärmepumpe, verwendet werden, muss nicht eingerechnet werden.



