14.1 Erläuterung zum Reglement
Die Treibhausgasemissionen (THGE) in der Erstellung und im Rückbau spielen eine wichtige Rolle angesichts des fortschreitenden Klimawandels und dem Ziel des Bundes, bis 2050 Netto-Null Emissionen in der Schweiz zu erreichen. Dies, weil sie anteilsmässig immer wichtiger werden, da die Betriebsenergie in den letzten Jahren dank Minergie und immer schärferen Vorschriften stark verringert werden konnte. Weil die geogenen Emissionen, welche bei der Materialherstellung (insbesondere Beton, respektive Zement) anfallen, einen weiteren grossen Anteil der Treibhausgasemissionen in der Erstellung ausmachen, wird in Treibhausgasemissionen bilanziert und nicht in grauer Energie. Werden auch die Treibhausgasemissionen in der Erstellung berücksichtigt, sind die Gebäude für 40 % der Schweizer THGE verantwortlich.
Mit Minergie 2023 wurde im September 2023 ein objektspezifischer Grenzwert je Gebäudekategorie für alle Neubauten eingeführt. Die Bilanzierung und der Minergie-Grenzwert für THGE in der Erstellung beruht auf der gleichen Berechnungsmethodik wie beim Zusatz ECO. Alle Grenzwerte beruhen auf dem SIA MB 2032 und den KBOB-Ökobilanzdaten im Baubereich 2009/1:2022.
Um den Planenden für das Ziel der THGE-Reduktion wirksamen Hebel bei der Minergie-Antragstellung an die Hand zu geben und den Aufwand für die Planer im Rahmen zu halten, hat Minergie einen phasengerechten und einfachen Nachweis entwickelt (Minergie-Nachweis Bereich Erstellung). Für diesen Nachweis werden die Haupthebel für die Minimierung der THGE in Erstellung und Rückbau mehrheitlich qualitativ abgefragt.
Der Nachweis kann entweder mit dem Minergie-Nachweis Bereich Erstellung (integriert im Minergie-Nachweis) oder mit einem zugelassenem Ökobilanzierungstool gemacht werden. Im 2. Fall sind die Resultate in den Minergie-Nachweis auf der Label-Plattform zu überführen.
Der Minergie-Nachweis Bereich Erstellung ist im Minergie-Nachweis integriert und beruht ebenfalls auf dem Merkblatt SIA 2032 und den KBOB Ökobilanzdaten im Baubereich 2009/1:2022. Die Methodik baut auf einem Modellgebäude je Gebäudekategorie auf, das je nach Nutzereingaben faktorisiert wird. Die genaue Methodik wird im Bericht Erläuterungsbericht Minergie-Nachweis Bereich Erstellung beschrieben. Die genauen Aufbauten und Beschreibungen, die im Tool auswählbar sind, sind in Dokument Aufbauten für Minergie-Nachweis Bereich Erstellung beschrieben.
Neben den emittierten THGE wird im Sinne einer Sensibilisierung auch die Kohlenstoffspeicherung (folgend C-Speicherung genannt) ausgewiesen (ohne Anrechnung für die Grenzwertbetrachtung). Ist Kohlenstoff im Gebäude «gespeichert», so wird die Abgabe von C-, respektive die Bildung von CO2 in der Atomsphäre verzögert. Insbesondere Holzbauten halten den Kohlenstoff häufig für Jahrzehnte oder Jahrhunderte «fest». Sie bewirken so einen bremsenden Effekt auf den Klimawandel.
Die Resultate können von Tool zu Tool leicht abweichen. Das hat mit den unterschiedlichen Eingaben und Methodiken zu tun, aber nicht zwingend mit der Genauigkeit. Beim Tool im Minergie-Nachweis wurde auf die Phasengerechtigkeit Wert gelegt, sodass möglichst nur bekannte Eigenschaften in der entsprechenden Phase eingegeben werden müssen.