Last updated 12/9/20258 minutes to read

14.3 Erbringung des Nachweises

Der Nachweis kann mit dem Minergie-Nachweis Bereich Erstellung auf der Label-Plattform oder mit einem zugelassenem Ökobilanzierungstool gemacht werden. Die weiteren zugelassenen Ökobilanzierungstools sind unter «Hilfsmittel Graue Energie / THGE Erstellung» unter folgendem Link zu finden.

Egal welches Tool zur Anwendung kommt, der berechnete Projektwert hat in allen Fällen den im gleichen Tool berechneten Grenzwert einzuhalten. Werden die Berechnungen mit einem externen Tool gemacht, müssen Grenz- und Projektwerte in die Label-Plattform im Nachweis im Reiter «Erstellung (THGE)» übertragen werden. Es kann von Tool zu Tool zu leichten Abweichungen kommen. Das ist auf die verschiedenen Tool-Methodiken zurückzuführen.

Im folgenden Kapitel wird auf die Eingaben im Minergie-Nachweis Bereich Erstellung für die Nachweisführung eingegangen.

 

14.3.1 Nutzereingaben in Minergie-Nachweis Bereich «Erstellung»

Für die Berechnung der projektspezifischen Ökobilanz im Minergie-Nachweis wurde Wert daraufgelegt, möglichst wenige freie Eingaben zu verlangen, um Aufwand und Fehler zu vermeiden. Die Nutzereingaben dienen der Auswahl von Faktoren, die dazu dienen, die objektspezifische THGE im Vergleich zum im Tool hinterlegten Modellgebäude zu bestimmen. Dieses Modellgebäude ist je Gebäudekategorie definiert und im Bericht Erläuterungsbericht Minergie-Nachweis Bereich Erstellung beschrieben.

Es werden grundsätzlich Nutzereingaben über Gestaltung und Bauweise des Gebäudes abgefragt, mit dem Ziel, die Haupthebel und Haupteinflussfaktoren der THGE in der Erstellung projektspezifisch eingeben zu können. Die Eingaben können über ein Drop-Down-Menü ausgewählt werden.

Falls es bei der Auswahlliste keine zutreffende Auswahl gibt, so ist die nächstähnliche Eingabe zu wählen. Das gleiche gilt für die Auswahl der Eingabe oder Zuteilung der Zonierung: Auszuwählen ist stets der «grösste Anteil» einer bestimmten Konstruktion oder Bauweise. Wird zum Beispiel zweidrittel der Zone mit Holz-Beton-Verbunddecken ausgerüstet, soll diese Deckenkonstruktion für die entsprechende Zone gewählt werden. 

Folgend werden die Eingabefelder erläutert. Alle Eingaben müssen mit Planunterlagen wie Schnitte und Grundrisse belegt werden. Die wählbaren Aufbauten, Baugruben und Fundationen sind im Bericht Aufbauten für Minergie-Nachweis Bereich Erstellung erläutert.

Eingabe «Geschossfläche»

Anders als die Energiebezugsfläche sind in der Geschossfläche auch Flächen ausserhalb des Dämmperimeters enthalten. Da in die Berechnung der Ökobilanz das gesamte Gebäude eingeschlossen wird, müssen die Richtwerte unter anderem über die Geschossfläche des Gebäudes bestimmt werden. 

Der Auszug der Geschossfläche muss mit den Gebäudeplänen belegt werden. Es ist jeweils die gesamte Geschossfläche aller Neubauzonen des Gebäudes (inkl. Untergeschosse) gem. SIA 416 einzugeben. Die eingegebene Zahl für die Geschossfläche kann nicht kleiner sein als die gesamte Energiebezugsfläche.

Eingabe «Weiterverwendung»

Diese Eingabemöglichkeit ist für das Resultat der Ökobilanz entscheidend. Werden Bauteile an Ort und Stelle weiterverwendet, müssen diese nicht mehr hergestellt und gebaut werden – es kommt zu grossen (Beton-)Einsparungen. Die grössten Hebel sind die Weiterverwendung der Untergeschosse oder/und die Weiterverwendung des Rohbaus, eine Auskernung also. Mit der Weiterverwendung von UG oder/und Rohbau kann eine vollständige Umnutzung eines Gebäudes erfolgen und trotzdem viele Treibhausgasemissionen in der Erstellung eingespart werden. Entsprechend haben diese Auswahlmöglichkeiten einen grossen Einfluss auf die Ökobilanzierung. 

Es handelt sich bei beiden Auswahlmöglichkeiten «Neubau auf bestehendem UG» oder «Auskernung» sowohl im behördlichen Nachweis, wie auch im Minergie-Nachweis um Bauvorhaben, die als Neubauten gelten (EN-102, Kapitel 4). Wird also ein Gebäude ausgekernt, so gilt es als Neubau, das einen Grenzwert einhalten muss und im Minergie-Nachweis Bereich Erstellung bei der Auswahl «Weiterverwendung» die Option «Auskernung» wählen darf. 

Zur Erinnerung: Minergie-Erneuerungen müssen die THGE in der Erstellung nicht bilanzieren und auch keinen Grenzwert einhalten. Eine Aufstockung auf einer bestehenden Sanierung die als Neubau gilt, ist separat einzugeben: der Unterbau als «Erneuerung» (keine Ökobilanzierung nötig), die Aufstockung als «Neubau auf bestehendem UG». In diesem Fall erscheint auch die Zone, die als Erneuerung gilt im Minergie-Nachweis Bereich Erstellung in den zonenspezifischen Eingaben. Diese Zone muss ebenfalls ausgefüllt werden, für die Berechnung des Projekt- und Grenzwerts werden diese Eingaben jedoch nicht berücksichtigt.

Die Wiederverwendung (Re-Use) von einzelnen Bauteilen kann im Minergie-Nachweis (noch) nicht berücksichtigt werden. Die Wiederverwendung von einzelnen Bauteilen sind für die Ökobilanzierung weniger relevant. Sollten diese dennoch berücksichtigt werden wollen, kann eine Ökobilanzierung mit einem akkreditierten externen Ökobilanzierungstool durchgeführt werden.

Eingabe «Baugrube»

Baugrubenverbauungen sind Treibhausgas- bzw. Energieintensiv und führen darum (ausser im Falle der Böschung) zu einer Verschlechterung des Resultats. So ist eine einfache Baugrube am emissionsärmsten und wenn immer möglich vorzuziehen. 

Andere Baugruben als freie Böschungen werden i.d.R. bei engen Platzverhältnissen (Umliegende Bauwerke und Infrastrukturen, oberflächennahe oder allgemein speziellen Grundwasserverhältnissen, sowie bei sehr tiefen Baugruben (viel Aushub und damit grosse Kosten) eingesetzt. Überprüft werden kann dies Anhand der Baugrubenpläne, Übersichtpläne oder dem Baubeschrieb.

Falls mehrere verschiedene Verbauungsarten in einem Projekt vorhanden sind, ist diejenige mit dem grössten Flächenanteil zu wählen. 

Eingabe «Fundation»

Spezielle Fundationsarten sind Treibhausgas- bzw. Energieintensiv und führen darum (ausser im Falle der Flachfundation) zu einer Verschlechterung des Resultats. So ist eine Flachfundation die emissionsärmste Fundation und wenn immer möglich vorzuziehen.

Andere Fundationen als Flachfundationen werden nötig bei sehr grossen Lasten und/oder schlechten Baugrundverhältnissen. Auch spezielle Grundwasserverhältnisse wie hoch liegende Grundwasserstände können infolge von Auftriebswirkungen zu anderen Fundationsarten führen. Auch ungünstige statische Konzepte mit hohen konzentrierten Einzellasten oder fehlenden Einspannungen in den Kellerkonstruktionen können andere Fundationen bedingen. Überprüft werden kann dies Anhand der Baupläne, Baugrundberichte (oft beinhalten diese eine Empfehlung zur Gründung) oder dem Baubeschrieb.

Falls mehrere Fundationsarten vorhanden sind, so ist die Variante mit der grössten fundierten Fläche zu wählen. 

Eingabe «UG-Gestaltung»

Die Grösse des UGs wird in Relation zur Gebäudegrundfläche (GGF, siehe SIA 416) angegeben. Die Eingabe kann zu einer Verbesserung oder Verschlechterung des Resultats führen. 

Falls ein UG von mehreren Gebäuden genutzt wird, ist die Grundfläche des UGs sinnvoll aufzuteilen (zum Beispiel anhand der einem Gebäude zugeteilten Parkplätze).

Für die Eingabe der Untergeschosse, die sich nicht in Hanglagen befinden, sind folgende Grössenzuordnungen zu wählen:

Abbildung 47: Die neun Auswahlmöglichkeiten der UG-Gestaltung

Für die Eingabe der Untergeschosse in Hanglagen sind folgende Grössenzuordnungen zu wählen:

Abbildung 48: UG-Gestaltung in Hanglagen

Eingaben zu Konstruktionen der Bauteile «Dach», «Decke», «Wände» und «Fassade»

Je nach Auswahl der Aufbauten/Konstruktion/Bekleidung ist die Zusammensetzung THGE-intensiver. Zudem ist die Wahl der Materialien eine gute Optimierungsmöglichkeit für Planer und wird deshalb für jedes Bauelement abgefragt - für Decken, Dach, Wände und Fassade sogar je Zonen. 

Falls die Konstruktionen des nachzuweisenden Objekts in der Auswahlliste nicht vorhanden sind, so ist jeweils die ähnlichste Konstruktion zu wählen. 

Im Bericht «Aufbauten Minergie-Nachweis Bereich Erstellung» sind die jeweilig hinterlegten Konstruktionen genau beschrieben.

Innerhalb der Zonen soll wie bei den anderen Eingaben, die überwiegende Konstruktion gewählt werden.

Eingaben «Spannweite Tragstruktur Dach» 

Die Spannweite hat einen grossen Einfluss auf die Materialmenge und deshalb auf die THGE in der Erstellung. Für die Eingabe im Minergie-Nachweis ist jeweils die im Gebäude überwiegende Spannbreite der Tragstruktur des Daches zu wählen. Je nach gewählter Gebäudekategorie sind die Auswahlmöglichkeiten der verschiedenen Spannbreiten unterschiedlich. Zudem sind nicht alle Kombinationen zwischen Spannbreite und Dachaufbauten möglich. Abbildung 50 zeigt die möglichen Kombinationen auf. 

Abbildung 49: Mögliche Kombinationen der gewählten Dächern und Spannbreiten

Eingaben «Spannweite Tragstruktur Decke» 

Wie beim Dach haben die Spannweiten der Tragstruktur der Decke einen Einfluss auf die Ökobilanzierung wegen dem Materialeinsatz.

Abbildung 50: Mögliche Kombinationen der gewählten Decken und Spannbreiten

Es ist jeweils die grösste vorhandene Spannweite zu wählen. In der Berechnung wird von einer regelmässigen und logischen Lastableitung ausgegangen. Bei unregelmässigen Tragstrukturen muss eine grössere Spannweite gewählt werden. Tabelle 33 wiedergibt die Spannweiten-Kategorien.

Für jede Gebäudekategorie bestehen sechs Spannweiten-Kategorien für die Decken. Die zugrundeliegenden Spannweiten unterscheiden sich jedoch zwischen den Gebäudekategorien.

GebäudekategorieSpannweiten (-Kategorie)
 123456
MFH≤ 4 m4-5 m5-6 m6-7 m7-8 m8-9 m
EFH≤ 4 m4-5 m5-6 m6-7 m7-8 m8-9 m
Verwaltung6-7 m7-8 m8-9 m9-10 m10-12 m12-14 m
Schule6-7 m7-8 m8-9 m9-10 m10-12 m12-14 m
Verkauf6-7 m7-8 m8-9 m9-10 m10-12 m12-14 m
Restaurant6-7 m7-8 m8-9 m9-10 m10-12 m12-14 m
Vers.-Lokal10-12 m12-14 m14-16 m16-18 m18-20 m20-25 m
Spitäler4-5 m5-6 m6-7 m7-8 m8-9 m9-10 m
Industrie10-12 m12-14 m14-16 m16-18 m18-20 m20-25 m
Lager10-12 m12-14 m14-16 m16-18 m18-20 m20-25 m
Sportbau16-18 m18-20 m20-25 m25-30 m30-35 m> 35 m
Hallenbad16-18 m18-20 m20-25 m25-30 m30-35 m> 35 m
Tabelle 33: wiedergibt die möglichen Spannbreiten je Gebäudekategorie

Eingaben «Fassade» und mögliche Spannweite

Abbildung 51: Mögliche Kombinationen der gewählten Fassaden und Spannbreiten

Eingabe «Fensteranteil»

Der Nutzer kann den Fensteranteil in 10 %-Schritten wählen. Für die Nutzungen Wohnen, Verwaltung, Schule und Restaurant ist ein Fensteranteil von 30 % empfohlen, da eine gute Tageslichtnutzung anzustreben ist.

Der Fensteranteil bezieht sich auf % der Fassadenfläche und kann der SIA 380/1-Berechnung entnommen werden.

Je nach Fassadenwahl hat der %-Wert der Fensterfläche einen positiven oder einen negativen Einfluss auf das Resultat. Bei einer zeitgemässen Fassadenwahl, die eher THGE-Arm ist, hat ein hoher Fensteranteil einen negativen Einfluss auf das Resultat.

Eingabe «Deckenstärke»

Die Einlegung von haustechnischen Anlagen braucht mehr Material, weil es stärkere Decken bedingt (meistens Beton), was wiederum zu mehr THGE in der Erstellung führt. Falls also grosse Haustechnikeinlagen in Betondecken geplant sind (z.B. Lüftungs- oder Heizungsleitungen) oder es zu einer Häufung von Einlagen kommt, ist bei dieser Eingabemöglichkeit «eingelegte Haustechnik» wählen. 

Eingabe «Einsatz von CO2-angereichertem Beton»

Wenn mindestens 80 % aller Betonbauteile, bei denen dies möglich ist, mit CO2 angereichertem Beton bestehen, kann «ja» gewählt werden.